Teilprojekt 3

„Ökonomische Analysen zur Angebotsseite“

Hintergrund und Expertise

Knapp die Hälfte des deutschen Waldes befindet sich im Privatbesitz. Steigende Naturschutzansprüche von Gesellschaft und Politik an den Wald erfordern daher die Zusammenarbeit mit den privaten Waldbesitzern als Anbieter von Naturschutzdienstleistungen im Wald. Neben den ordnungsrechtlichen Instrumenten des Naturschutzes wie bspw. den Schutzgebietsausweisungen soll zukünftig vertraglichen Vereinbarungen bei der Umsetzung Vorrang eingeräumt werden. Die Umsetzung von Naturschutz bedeutet für den Waldbesitzer jedoch regelmäßig Verzicht auf ökonomisch sinnvollere Alternativen. Hierdurch entstehen dem Forstbetrieb zusätzliche Kosten und verringerte Erträge, die durch angemessene Vergütungen für sein freiwilliges Engagement auszugleichen sind.

Die Abteilung für Forstökonomie und Forsteinrichtung der Georg-August-Universität Göttingen befasst sich seit langer Zeit mit forstbetriebswirtschaftlicher Forschung. Fragestellungen zum Vertragsnaturschutz und zur Bewertung von naturschutzbedingten Nutzungseinschränkungen bilden dabei einen Forschungsschwerpunkt. Unter anderem wurden im Rahmen des FFH-Impact Verbundprojektes betriebswirtschaftliche Bewertungsinstrumente entwickelt, mit denen sich in der Praxis Mehraufwendungen und Mindererträgen ermitteln lassen. Diese Verfahren und zusätzliche Forschungserkenntnisse aus der Bewertung von Einzelbäumen bilden eine solide Grundlage, um im Rahmen des WaVerNa-Projektes praxisnahe und wissenschaftlich gesicherte Handlungsempfehlungen zu erstellen.

Herangehensweise

Was kostet der Vertragsnaturschutz den Forstbetrieb? Während Maßnahmen, wie z. B. die Biotoppflege oder der Einsatz von Pferden statt Maschinen, im Forstbetrieb unmittelbar zu Mehraufwendungen führen und aus betrieblicher Sicht verhältnismäßig einfach zu quantifizieren sind, ist es ungleich schwieriger, erwartete Mindererträge zu ermitteln. So entgeht dem Waldbesitzer beispielsweise durch den Erhalt von Alt- und Habitatbäumen oder der Verzicht des Anbaus von schnellwachsendem Nadelholz ein Teil seiner erwarteten Erträge. Diese Opportunitätskosten gilt es, mit bewährten Konzepten und neuen Herangehensweisen zu erfassen und zu bewerten.

Wie wirkt sich Vertragsnaturschutz innerbetrieblich aus? Es ist davon auszugehen, dass die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand verursacht. Dieser zusätzliche Aufwand stellt bislang ein großes Hemmnis für das Gelingen von Vertragsnaturschutzprogrammen dar. Da die Größenordnung dieses zusätzlichen Aufwands jedoch unklar ist, soll dieser auf der Basis von betrieblichen Auswertungen und vertiefenden Gesprächen mit Waldbesitzern identifiziert werden.

Welchen Einfluss hat die Umwelt? Die Langfristigkeit und die Naturabhängigkeit der forstlichen Produktion bedingen erhebliche Risiken, wie z.B. Sturmschäden oder Käferbefall. Entscheidungen unter Berücksichtigung dieser helfen den Forstbetrieben, ihren Wald auch noch für die zukünftigen Generationen zu erhalten. Hierzu bedarf es belastbarer Risikoeinschätzungen, die über ihre geschätzten Erwartungswerte ermittelt werden sollen.

„Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet.“ Wie wirken sich langfristige Naturschutzverträge auf die betriebliche Flexibilität aus? Mit neuen Ansätzen der betriebswirtschaftlichen Forschung soll dieser Frage nachgegangen werden, um allen Beteiligten am Ende des Projektes profunde Handlungsempfehlungen geben zu können.

Zusammenarbeit

Gemeinsam mit dem Teilprojekt 1, dessen Forschungsschwerpunkt auf der Nachfrageseite liegt, gehen wir die Frage nach einer angemessenen Vergütung des Naturschutzes im Wald an. Uns ist dabei bewusst, dass sich sowohl Anbieter als auch Nachfrager mit den Ergebnissen des WaVerNa-Projektes identifizieren müssen, um auf Dauer eine politisch angestrebte Erhöhung des Anteils an Vertragsnaturschutzprojekten in deutschen Wäldern zu erreichen.

Sind die Mittel knapp, lassen sich vorrangig von allen Beteiligten nur solche Maßnahmen anstreben, die bei ihrer Umsetzung einen hohen ökologischen Wert erwarten lassen. Um kosten- und zugleich waldökologisch effiziente Naturschutzmaßnahmen zu ermitteln, gleichen wir unsere betrieblichen Daten mit denen des Teilprojektes 2 ab, bei dem die ökologischen Auswirkungen von Naturschutzmaßnahmen im Mittelpunkt stehen.

Zur Schaffung verlässlicher Vereinbarungen zugunsten des Waldnaturschutzes bedarf es der juristischen Expertise des Teilprojektes 4. In Zusammenarbeit mit dem Teilprojekt 4 wollen wir Musterverträge entwickeln, die die Waldbesitzer und die Gesellschaft in ihren Handlungen absichern.

Erwartete Ergebnisse

Das zentrale Ziel dieses Teilprojektes ist es, eine Untergrenze der Vergütung von Vertragsnaturschutzleistungen zu ermitteln, die dem Waldbesitzer einerseits die ihm entgehenden Erträge und andererseits die entstehenden Mehrkosten, inklusive einer angemessenen Produzentenrente, ausgleichen. Weiterhin wird das Teilprojekt die spezifischen Kosten für die jeweiligen Naturschutzmaßnahmen ermitteln und Praxishilfen zur Bewertung bereitstellen.